Polstermöbelhersteller nutzt Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung für Neustart aus der Krise

Ein Beispiel für die erfolgreiche Unternehmenssanierung im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverwaltung stellt die Restrukturierung der POSA Möbelsysteme GmbH & Co. Vertriebs KG dar. Im Jahr 1991 in Marienberg-Satzung zunächst als Näherei gegründet, werden seit 1992 Polstermöbel gefertigt. Heute beschäftigt die höchstgelegene deutsche Polstermöbelmanufaktur 40 Mitarbeiter. Die Kundenstruktur besteht überwiegend aus namhaften Möbelhäusern sowie Objekteinrichtern. Derzeit werden rund 300 Polstergarnituren pro Monat, speziell nach Kundenwünschen, gefertigt. Ein Alleinstellungsmerkmal stellt demzufolge die Sonderanfertigung sowie Aufarbeitung von Polstermöbeln dar.

Ursache der Krise

Die Schieflage des Unternehmens war vordergründig nicht auf den operativen Geschäftsbetrieb zurückzuführen, was die im Vergleich zur Branche grundsätzlich positive Rohertragsquote sowie die übrige Kostenstruktur verdeutlichten. Viel mehr kongruierte das Umsatzniveau nicht mit den getätigten Investitionen aus der Vergangenheit. Die Jahre nach der „Wende“ waren in den neuen Bundesländern grundsätzlich von wirtschaftlichem Aufschwung geprägt. Die Geschäftsleitung entschied sich daraufhin Ende der 90er Jahre eine neue und moderne Produktionsstätte zu errichten. Das zusätzlich erwartete Auftrags- beziehungsweise Umsatzvolumen blieb jedoch aus. Die Folge war eine klassische Überinvestition, bei der die Investitions- und Finanzierungsverhältnisse in keinem sinnvollen Verhältnis zur Unternehmensgröße standen. Die dadurch bedingte Liquiditätsbelastung war auf Dauer nicht zu schultern und trug erheblich zum negativen Cashflow bei. Darüber hinaus ließ der geringe Selbstfinanzierungsspielraum keine Investitionen in neue Geschäftsbereiche beziehungsweise Produktinnovationen zu. Die im Vorfeld durchgeführten Sanierungsmaßnahmen zeigten sich als nicht ausreichend, um die Krise außergerichtlich erfolgreich abwenden zu können, weswegen der Weg über eine gerichtliche Sanierung führte.

Lösung: Die Sanierung unter Insolvenzschutz

Da sich infolge der vorgenannten Defizite die Liquiditätssituation zuspitzte, entschied sich der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens Anfang 2013 für eine Sanierung über ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Als Sachwalter wurde Frank-Rüdiger Scheffler berufen. Im Rahmen der intensiven Prüfung der Fortbestehensaussichten konnte trotz der negativen Ertragslage eine positive Fortführungsprognose erstellt werden. Diese basierte vor allem auf der Tatsache, dass die niedrige Ertragskraft nicht grundsätzlich auf den operativen Geschäftsbetrieb zurückzuführen war. Dieser zeichnete sich durch eine im Branchenvergleich positive Rohertragsquote und verhältnismäßig geringe Kostenstruktur aus. Weiterhin boten der „gesunde Unternehmenskern“ inklusive des vorhandenen Know-hows, Geschäftsmodelles und der eigenen Betriebsstätten auch zukünftig genügend Marktchancen. Durch die Möglichkeit, Sonderlösungen auch für kleine Marktsegmente herzustellen, war ebenso eine erfolgsversprechende Nischenbesetzung abseits des Massenmarktes möglich. Insgesamt prognostizierte der im Rahmen des Antragsverfahrens erstellte Finanzplan ein ausreichend positives Betriebsergebnis. Ein ganzheitlicher Turnaround war unter Berücksichtigung eines deutlich reduzierten Verschuldungsgrades sowie einer Optimierung des operativen Geschäftes realistisch.

Sanierungsablauf und eingesetzte Instrumente

Vor Verfahrenseröffnung wurde die mehrheitliche Zustimmung der Gläubiger und Großkunden zur Umsetzung des Sanierungskonzeptes eingeholt. Lediglich fünf von insgesamt 500 Bestandskunden lehnten eine weitere Zusammenarbeit ab.

Zielvorgabe war einheitlich eine „gesteuerte“ Insolvenz, bei der neben dem Ziel, eine bestmögliche Lösung für die Gläubiger zu erlangen, ebenfalls die erfolgreiche Fortführung des Unternehmens und die Sicherung der vorhandenen Arbeitsplätze im Fokus stand.

Die Fortführung des Unternehmens und Finanzierung des Insolvenzplanes gelang zum einen durch die Möglichkeiten des gerichtlichen Sanierungsverfahrens (Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit) und zum anderen durch den Einsatz alternativer Finanzierunginstrumente (Factoring, Beteiligungskapital). Neben der Verbesserung der Finanzierungsstruktur wurden die Umsätze mit Hilfe von gezielten Kommunikationsmaßnahmen gesteigert. Grundlage dafür war eine Analyse möglicher neuer Zielgruppen und Multiplikatoren. Nach der Erarbeitung der künftigen Marktpositionierung sowie der Kommunikationsstrategie. Die Kommunikationsstrategie beinhaltete ein modernes Erscheinungsbild modernisiert und eine strategische Öffentlichkeitsarbeit. Die Erzgebirgssparkasse unterstützte als Hausbank des Unternehmens das Vorhaben und stimmte dem Insolvenzplan zu – laut eigenen Aussagen vor allem wegen des sorgfältig geplanten Vorgehens und der guten Erfolgsaussichten.

Ergebnis

Gemeinsam konnte der Produktionsstandort in Satzung und damit 40 Arbeitsplätze in einem Familienunternehmen der Region erhalten werden. Mithilfe des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gelang POSA Möbelsysteme der erfolgreiche Neustart.

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