Schutzschirmverfahren | Tiefenbacher Insolvenzverwaltung

Schutzschirmverfahren

Das Schutzschirmverfahren als besondere Form der Eigenverwaltung ist die große Novelle der Insolvenzordnung durch ESUG und stellt mit seinen Vorteilen einen großen Anreiz für die frühzeitige Einleitung der Sanierung dar. Jedoch zeichnet sich das Schutzschirmverfahren im Vergleich zur vorläufigen Eigenverwaltung durch andere Zugangsvoraussetzungen und erweiterte Rechte aus. Beim Schutzschirmverfahren hat der Schuldner die Möglichkeit, innerhalb von zwei bis drei Monaten einen Sanierungsplan zu erstellen und mit den Gläubigern abzustimmen. Wenn dieser Plan von den Gläubigern akzeptiert wurde, ist die Krise formal beendet und die drohende Insolvenz abgewendet. Wenn das Einvernehmen mit den Gläubigern scheitert, wird das Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet.

Wesentliche Vorteile:

  • frühzeitige Antragstellung vor Eintreten der Zahlungsunfähigkeit
  • Geschäftsführer führt das operative Geschäft fort und bleibt Ansprechpartner für Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter - der (vorläufge) Sachwalter hingegen hat lediglich eine Aufsichts- und Kontrollfunktion
  • keine Verwertungs- und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen aufgrund vorläufiger Sicherungsmaßnahmen
  • Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit zur Liquiditätsgewinnung
  • Fortführen des Verfahrens auch bei eintretender Zahlungsunfähigkeit
  • Sonderrechte zur Beendigung oder Anpassung von Vertragsverhältnissen

Voraussetzung: Das Unternehmen darf nicht zahlungsunfähig sein

Für das Schutzschirmverfahren  darf keine Zahlungsunfähigkeit vorliegen, sondern lediglich eine drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Der Gesetzgeber möchte damit eine frühzeitige Antragstellung unterstützen. Im Verlauf des Verfahrens wird alle zwei Wochen die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens überprüft. Bei einer eingetretenen Zahlungsunfähigkeit muss dies dem Gericht und dem Gläubigerausschuss gemeldet werden. Das Schutzschirmverfahren bleibt dennoch bestehen.

Für die Beantragung eines Schutzschirmverfahrens sind drei Anträge nötig:

  • Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und / oder Überschuldung nebst der Bescheinigung gem. § 270b InsO
  • Antrag auf Eigenverwaltung
  • Antrag auf Bestimmung einer Frist zur Vorlage eines Insolvenzplans

Die Bescheinigung gem. § 270b InsO muss von einem insolvenzerfahrenen Rechtsanwalt, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer ausgestellt sein. Sie muss bestätigen, dass drohende Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung, jedoch keine Zahlungsunfähigkeit, vorliegt (Insolvenzgrund) und die angestrebte Sanierung nicht aussichtslos ist. Das bedeutet, dass das Unternehmen mit einem operativ gesunden Kern fortgeführt werden kann. Voraussetzung für ein erfolgreiches Schutzschirmverfahren ist die Vorbereitung eines Sanierungskonzeptes im Vorfeld der Antragstellung. Dieses enthält bereits erste Maßnahmen der Restrukturierung mit dem Ziel der Wiederherstellung von Markt- und Wettbewerbsfähigkeit. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, gibt das Gericht dem Antrag für eine Frist zur Vorlage eines Insolvenzplanes statt und erlässt einen Beschluss zu den beantragten Maßnahmen.

Frühzeitige Antragstellung und umfassende Vorbereitung

Erfolgreiche Schutzschirmverfahren zeichnen sich durch eine frühzeitige Planung und Vorbereitung aus. Wir unterstützen Sie bei der Analyse der wirtschaftlichen Gesamtsituation und klären die Frage, ob Sie von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit betroffen sind. Gemeinsam erarbeiten wir ein Sanierungskonzept und beurteilen, welche Maßnahmen im Rahmen eines Schutzschirmes umgesetzt werden können. Wir besitzen die nötige Kompetenz für die professionelle Vorbereitung aller erforderlichen Anträge und Bescheinigungen. In der Rolle als (vorläufiger) Sachwalter unterstützen wir Sie beim Dialog mit Gläubigern, Kunden oder Mitarbeitern und der Umsetzung des Sanierungsplans in der Schutzschirmphase sowie im anschließenden eigenverwalteten Insolvenzverfahren.

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