Der Materialmangel und seine Auswirkungen auf die Industrie

Industriebetriebe stehen durch den Materialmangel immer stärker unter Druck. Operatives Geschäft, Liquiditätssituation und Unternehmensentwicklung stehen auf dem Spiel. Die komplexe wirtschaftliche Lage wird wohl zu mehr Insolvenzen führen.

Laut aktueller Erhebung des ifo-Instituts leiden über 73 Prozent der Industrieunternehmen unter dem fortgesetzten Materialmangel. Überdurchschnittlich stark betroffen sind dabei Branchen wie die Elektroindustrie mit annähernd 93 Prozent ihrer Betriebe, der Maschinenbau sowie die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten mit jeweils über 90 Prozent der Unternehmen. Eine Entspannung der Lage ist indes nicht zu erwarten, viele Firmen rechnen mit Engpässen bis weit in das nächste Jahr hinein.

Wie kam es dazu?

Die weltweiten Lieferketten gerieten zunächst durch die Corona-Pandemie ins Stocken. Als sich das Infektionsgeschehen beruhigte und die Wirtschaft Fahrt aufnahm, konnten die geschwächten Lieferbeziehungen die sprunghaft gestiegene Nachfrage nicht bedienen. Die internationale Containerschifffahrt kämpft zudem seit Monaten mit Verzögerungen. Laut dem Trade Indicator des IfW Kiel stauten sich allein im Juli 2022 wochenlang Containerschiffe in der Deutschen Bucht. Auf dem Roten Meer, der wichtigsten Transportroute zwischen Asien und Europa, war das Frachtvolumen im letzten Monat 21 Prozent niedriger als üblich. Und mit dem zentralen ukrainischen Hafen in Odessa ist praktisch kein Handel mehr möglich. Generell hat sich die Liefersituation seit Ausbruch des Ukraine-Krieges nochmals massiv zugespitzt. Wichtige Vorprodukte und Rohstoffe für die Lebensmittel-, Elektro- und Automobilindustrie sind seither schwerer beziehbar.

Die Folgen für Unternehmen

Aufgrund der Materialsituation stockt die Produktion bei vielen Industriebetrieben oder muss zeitweise ausgesetzt werden. Dadurch können die Firmen von der eigentlich guten Auftragslage nicht profitieren; Aufträge stauen sich und müssen teils verschoben oder abgelehnt werden. Dadurch können Umsätze nicht realisiert werden, während sich laufende Kosten – vor allem für Energie – massiv erhöht haben. Als Effekt des Materialmangels werden Rohstoffe und Güter immer gefragter und so auch teurer. Beschaffung und Lagerhaltung werden zur Herausforderung. Die höheren Kosten für Vorleistungen können aber oft nicht an die Abnehmer weitergereicht werden.

Liquiditätsengpässe und Zahlungsschwierigkeiten drohen; manches Industrieunternehmen denkt bereits über Standortschließungen nach. Vermehrte Schieflagen sind nicht mehr auszuschließen. Das IWH spricht in seinem Insolvenztrend für Juli 2022 von 11 Prozent mehr Verfahren als im Vorjahreszeitraum. Aufgrund der derzeitigen Herausforderungen und der von der Pandemie geschwächten Eigenkapitalausstattung vieler Unternehmen gehen die Experten in den nächsten beiden Monaten von 20 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahr aus.

Bei einer heraufziehenden Unternehmenskrise ist es entscheidend, möglichst früh auch insolvenzrechtliche Expertise hinzuzuziehen. Ein etwaiges Insolvenzverfahren kann so zur effektiven finanziellen und leistungsseitigen Neuaufstellung genutzt werden. Sprechen Sie uns an.

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