Steht die Trendwende bei den Insolvenzen bevor?

Die Creditreform Wirtschaftsforschung hat das Insolvenzgeschehen des ersten Halbjahres 2022 ausgewertet. Die Gesamtanzahl der Fälle gibt auf den ersten Blick keinen Anlass zur Sorge, doch die genauere Betrachtung offenbart Verwerfungen. Und die Prognose für das restliche Jahr gibt kaum Anlass zu Optimismus.

In Summe belaufen sich die Unternehmensinsolvenzen nach der Creditreform-Analyse  für das erste Halbjahr 2022 auf 7.300 Fälle. Sie sind damit weiterhin historisch niedrig und im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr – 7.510 Verfahren – sogar leicht rückläufig. Ein Grund zur Entspannung ist dieser Umstand aber nicht. Denn die Experten von Creditreform haben in einzelnen Bereichen teils erhebliche Verwerfungen ausgemacht. So sind nicht nur vermehrt große Unternehmen und Selbständige unter den Insolvenzfällen; es haben sich bei den Konkursen auch die Branchenschwerpunkte verschoben.

So gab es im ersten Halbjahr 2022 einen deutlichen Anstieg der Fälle im verarbeitenden Gewerbe: Hier lagen die Insolvenzen um fast 15 Prozent über denen des Vorjahres. Noch stärker ist der Anstieg im Bausektor. Über 19 Prozent mehr Insolvenzen als 2021 wurden in diesem verzeichnet. Darin lassen sich erste Anzeichen einer Trendwende erkennen: Zuvor waren eher Bereiche wie der Tourismus, der Handel oder die Veranstaltungsbranche betroffen, die durch Kontaktverbote und andere Corona-Beschränkungen in wirtschaftliche Schieflage geraten waren. Nun trifft es mehr und mehr Unternehmen, die energieintensiv arbeiten und die auf Vorprodukte und Rohstoffe angewiesen sind. Somit beginnen die galoppierenden Energiepreise und die gestörten Lieferketten auf das Insolvenzgeschehen einzuwirken.

Hohe Schäden durch Insolvenzen

Von den Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2022 waren knapp 68.000 Beschäftigte betroffen. Die Schäden für Gläubiger beliefen sich zudem insgesamt auf rund 19 Milliarden Euro. Laut Creditreform sind das 2,6 Millionen Euro an bedrohten Forderungen pro Insolvenzfall. Damit seien die Zahlen zwar geringer als 2021, aber deutlich höher als in den Jahren zuvor. Auch beim Alter der insolventen Unternehmen gibt es eine Veränderung: Fast ein Viertel davon war vor der Insolvenzanmeldung 2022 höchstens vier Jahre am Markt aktiv gewesen. Hier hätte laut Creditreform die Corona-Zeit mit ihren Einschränkungen die Entwicklung der Unternehmen frühzeitig gestört.

Auf schwierige Lage vorbereitet sein

Bei den Unternehmensinsolvenzen ist für das zweite Halbjahr insgesamt eine Trendumkehr zu befürchten, da sich die konjunkturellen Bedingungen stark eingetrübt haben. Entsprechend wichtig wird es für Firmen sein, die eigene wirtschaftliche Lage stets zu kennen und bei Herausforderungen rechtzeitig insolvenzrechtliche Expertise einzuholen. Nur so können Optionen wie eine außergerichtliche Restrukturierung, eine Insolvenz in Eigenverwaltung oder ein Schutzschirmverfahren in der Regel effektiv genug für eine Neuaufstellung genutzt werden.

Für individuellen Rat zu den Themen Insolvenz oder Restrukturierung wenden Sie sich gern an unseren Experten.

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